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Butterwegge: Armut trotz Mehrfachjobs


Lesedauer 4 Minuten

Der Armutsforscher Christoph Butterwegge kritisierte im Deutschlandfunk Hartz IV und die Armut trotz Arbeit. Ihm zufolge bezeichnet der Paritätische Wohlfahrtsverband 13 Millionen Deutsche als arm, trotz einem Höchststand der Beschäftigung. Laut Butterwegge arbeiteten fast 25 % der Erwerbstätigen im Niedriglohnbereich, also an der Grenze zur Armut.

Working poor in Deutschland
Butterwegge sagt: „Heute haben wir das Problem von Multijobbern. Da haben Menschen gleich mehrere Beschäftigungsverhältnisse. Morgens tragen sie Zeitungen aus. Mittags arbeiten sie im Schnellrestaurant und abends fahren sie vielleicht noch Pizzen herum und können kaum über die Runden kommen.“

In den USA heißen solche Menschen, die trotz Vollbeschäftigung um die Existenz kämpfen, „working poor“. Sie stellen, laut Butterwegge, einen Großteil des Armutsproblems in Deutschland.

Relative Armut
Armut sei dabei relativ zum Standard des Landes. Butterwegge sagte im Deutschlandfunk: „Man muss unterscheiden zwischen absoluter Armut und relativer Armut. Absolut arm ist jemand, der seine Grundbedürfnisse nicht befriedigen kann, der nicht genug zu essen hat, kein sauberes Trinkwasser, kein Dach über dem Kopf, aber was wir in den entwickelten Industrieländern wie der Bundesrepublik finden, ist eben relative Armut.“

Soziale Ausgrenzung
Was bedeutet relative Armut? Butterwegge erörtert: „Relativ arm ist jemand, der seine Grundbedürfnisse zwar befriedigen kann, der sich aber vieles von dem nicht leisten kann, was in der betreffenden Gesellschaft für fast alle anderen Gesellschaftsmitglieder normal ist, der nicht teil hat an bestimmten kulturellen und sozialen Prozessen in der Gesellschaft.“

Dazu zählten Menschen, die keine Kinokarte kaufen oder nicht gelegentlich in die Kneipe gehen könnten. Sie wären durch Armut ausgegrenzt, auch wenn sie nicht verhungern würden und eine Wohnung hätten.

Von den Klassenkameraden ausgelacht zu werden, weil man in Sommerkleidung im Winter auf dem Schulhof steht, könnte viel mehr schmerzen als die Kälte.

Lebenshaltungskosten berücksichtigen
Vergleiche mit armen Ländern seien insofern problematisch, weil in Deutschland auch die Lebenshaltungskosten viel höher seien als in diesen Ländern. In Litauen könnte man mit 500 Euro im Monat gut leben, in Luxemburg nicht einmal eine Besenkammer mieten.

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