Britta Litkke-Skiera: „Die Armut der Kinder ist verknüpft mit der Armut der Eltern, und die Armut der Eltern ist verknüpft mit der Armut ihrer (jugendlichen) Kinder.“
08.02.2017
Bereits die normalen Leistungssätze reichten für Kinder von Hartz-IV-Empfängern nicht aus. Doch die sowieso schon problematische Situation verschärft sich noch zusehends durch die Sanktionen. Diese träfen nämlich alle Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft, so Littke-Skiera.
Sie schreibt: „Wird ein Elternteil sanktioniert, trifft dies unweigerlich auch die Kinder und eine Vollsanktionierung eines jugendlichen oder erwachsenen Kindes unter 25 Jahren trifft auch umgekehrt die Eltern und eventuelle Geschwister in der Bedarfsgemeinschaft. Zwar können Lebensmittelgutscheine vom voll sanktionierten Familienmitglied beantragt werden, aber nicht alle Supermärkte nehmen diese auch an.“
Auch die ehrenamtlichen Tafeln würden das Problem nicht lösen: „ Und eine „Tafel“ gibt es auch nicht an jeder Ecke. Oft fehlt schon das Geld für die Fahrkarte zur „Tafel“. Die Lebensmitteltafeln sind ohnehin ein zweischneidiges Schwert, erleichtern sie doch wieder das Verhängen von Sanktionen, weil ja die Betroffenen zur Tafel gehen können.“
Sanktionen traumatisieren Kinder Littke-Skiera fordert deshalb, die Sanktionen der Jobcenter anzuprangern, um Kinderamrut zu bekämpfen: „ Wer Kinderarmut bekämpfen will, kommt also nicht darum herum, sich über Sanktionen der Jobcenter Gedanken zu machen, diese auf´s Schärfste zu verurteilen und in der Öffentlichkeit zu skandalisieren.“
Sie erklärt, warum die Sanktionen ein Skandal sind: „ Denn es ist ein Skandal, wenn z.B. Jugendliche, die in in einer Umbruch- und Orientierungsphase sind, für die Abgrenzung und Ablösung von Eltern und Elternfiguren zu einem notwendigen Entwicklungsprozess gehört, gnadenlos totalsanktioniert werden, weil sie nicht so spuren wie es manch Angestellte/r in den Jobcentern gerne hätte.“
Die Jobcenter zerstören mit Sanktionen demnach willkürlich die psychische und soziale Entwicklung von jungen Menschen. Sie traumatisieren aber in der Konsequenz auch jüngere Kinder, so Littke-Skiéra: „Genauso skandalös ist es, wenn Eltern ohne Rücksicht auf ihre Kinder sanktioniert werden, denen möglicherweise das Trauma der gewaltsamen Fremdunterbringung durch die Jugendämter droht.“
Jedes siebte Kind betroffen Die Gefahr, durch Sanktionen im Elend zu landen, besteht für jedes siebte Kind in Deutschland. 1,54 Kinder unter 15 Jahren waren nämlich 2015 von Hartz-IV-Mitteln abhängig, so die Bundesagentur für Arbeit. In Bremen und Berlin gilt das sogar für jedes dritte Kind, in Sachsen-Anhalt für jedes fünfte, in Westdeutschland insgesamt sind 13 % der Kinder in dieser schwierigen Situation. Kinderarmut bedeutet Armut der Eltern, und die hat unmittelbare Folgen für die Kinder.
„Kinderarmut ist eine Katastrophe“ Laut der RP hält Heinz Hilgers, der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes die seit Jahren steigende Kinderarmut für eine Katastrophe. Die Kinderarmut ist, ihm zufolge, auf dem höchsten Stand seit der Nachkriegszeit.
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