Kuchengabeln klackern leise auf Porzellan, es duftet nach frisch aufgebrühtem Tee, unten auf dem Mirower See tuckert ein Boot vorbei und von irgendwoher weht leise Klaviermusik herüber. Ist es nicht einfach herrlich hier vor dem Palais-Café auf der Schlossinsel Mirow? Thomas und Manuela sehen sich lächelnd an. Ja, diesen royalen Abschluss haben sie sich verdient! Schließlich sind sie heute schon 76 Kilometer geradelt, haben eine ordentliche Rundtour durch die Kleinseenplatte geschafft. Und das Palais-Café ist der perfekte Ausklang. Dass die beiden auf E-Bikes unterwegs waren und daher vielleicht nicht immer mit reiner Muskelkraft die Pedale getreten haben, hat die Tour wunderbar entspannt gemacht, finden Thomas und Manuela. Sie mussten sich nicht hetzen – und was hatten sie in ihre Radrunde nicht alles hineinpacken können!
Pünktlich um neun Uhr morgens haben die beiden vor dem Fahrradverleih im Ferienpark Mirow gestanden, um sich zwei Elektrofahrräder auszuleihen. Jetzt gehörten die roten Flitzer zwei Tage lang ihnen. Also die Helme aufgesetzt – und los ging‘s zum ersten Etappenziel, nach Neustrelitz. 26 Kilometer durch Wald und Wiesen, ein einziger Hochgenuss. Die Tour mit dem E-Bike durch die Seenplatte ist ein Erlebnis für alle Sinne. Uralte, knorrige Kastanien und Eichen säumen die Alleen. Naturbelassene Wege führen im sanften Auf und Ab durch Felder, auf denen roter Klatschmohn und blaue Kornblumen die schönsten Farbakzente setzen. Es riecht nach Sommer; Kirchtürme spitzen aus bewaldeten Hügeln hervor. Und immer geht es an kleinen Seen vorbei, die still und unberührt hinter wogendem Schilf leuchten.
Genussradeln von See zu See
Das Beste am E-Biken durch die Seenplatte? Man kann sich Zeit lassen für all das Schöne am Wegesrand
Auch Neustrelitz, die ehemalige Residenzstadt mit ihrer spätbarocken, sternförmigen Stadtanlage, hat ihren See – den Zierker See. Es gibt eine hübsche Hafenpromenade am Wasser, an der Manuela und Thomas ihren ersten Stopp einlegen und Kaffee trinken. Danach gucken sie sich den weitläufigen Schlossgarten an, der im 18. Jahrhundert angelegt wurde. Sie schieben ihre Räder an den Statuen antiker Gottheiten vorbei und machen noch einen Schlenker zu einem kleinen Tempel, der der griechischen Göttin Hebe gewidmet ist. Das ist das Angenehme, wenn man mit dem E-Bike unterwegs ist – man hat auch bei größeren Touren keine Eile und kann sich Zeit lassen für das viele Schöne am Wegesrand.
An Schönem fehlt es auch auf der nächsten Etappe nicht. Immer wieder blitzen hinter den Bäumen kleine Seen auf. Und immer scheinen Holzbänke und einsame Stege nur darauf zu warten, dass Manuela und Thomas sich aus dem Sattel schwingen und auf ihnen pausieren. So zum Beispiel am Woblitzsee, an dem die beiden auf dem Weg in die hübsche Fachwerkstadt Wesenberg vorbeikommen. Und sich natürlich wieder eine kleine Stimmungspause am Wasser gönnen. Die Ruhe des Wassers, der Blick ins Grüne – ganz still sitzen die beiden und gucken. Von Wesenberg aus gäbe es übrigens die Möglichkeit, die Rundtour durch die Kleinseenplatte abzukürzen und direkt nach Mirow zurückzuradeln, was die Gesamtstrecke um etwa 20 Kilometer reduzieren würde. Doch das reizt Manuela und Thomas heute nicht. Sie möchten die volle Runde ausfahren. Schließlich fühlen sie sich nicht zuletzt auch ihres Elektroantriebs wegen noch in absoluter Spitzenform.
Fischbrötchen mit Seeblick
E-Bike-Pausen in der Seenplatte – auf dem Steg, vor der Fischerhütte oder im Schloss-Café
Deshalb ist die nächste Pause auch erst nach weiteren 23 Kilometern dran. In einer romantischen kleinen Bucht direkt neben der Ahrensberger Hausbrücke – der einzig erhaltenen Hausbrücke Norddeutschlands. Zwischen Drewen- und Finowsee steht ein kleiner Imbiss, „Rast beim Fischer“ genannt. Hier holen sich die beiden – inzwischen schon recht hungrigen – Radfahrer je ein frisches Maränenbrötchen. Die Maräne ist eine echte Spezialität der mecklenburgischen Seen und schmeckt geräuchert besonders gut. Auch die E-Bikes dürfen sich stärken – während Thomas und Manuela an den Tischen vor dem Imbiss in ihre Fischbrötchen beißen und aufs Schilfufer gucken, wo immer wieder hungrige Kanufahrer festmachen, tanken die Fahrräder frischen Strom an der Ladestation.
Vom Turbo-Modus der E-Bikes beflügelt, geht es danach zügig nach Mirow zurück. Hier sitzen die beiden nun auf der Café-Terrasse vor dem Schloss, glücklich und zufrieden, essen frischen Apfelkuchen und schmieden bereits wieder Pläne. Schließlich haben sie ihre E-Bikes für zwei Tage gemietet. Und die Mecklenburgische Seenplatte ist groß.
